WIE GEHT EIGENTLICH FEHLERKULTUR? Learnings aus dem Skatepark

VON EVELYN WURSTER

Waren Sie kürzlich mal in einem Skatepark? Ich finde, man kann dort wunderbar beobachten, wie positive Fehlerkultur funktioniert. 
Und man kann einiges darüber lernen, was es in einem Team braucht, damit Mitarbeiter mutig und proaktiv neue Herausforderungen angehen und spielerisch neue Lösungen finden.
 
Jedes Mal, wenn ich meine Söhne zum Skatepark begleite, bin ich erneut fasziniert von der Atmosphäre, die dort herrscht: 
 
die selbstorganisierte Wuseligkeit, die Rücksicht, der Respekt, das freundliche Miteinander, der Mut, die Ausdauer und die schier endlose Energie die dort zu beobachten sind.
Fehlerkultur
Bei meinem letzten Besuch hat mich ein junger Skater ganz besonders in den Bann gezogen: er übte offensichtlich einen neuen Trick und das mit einer unglaublichen Ausdauer. Er stürzte dabei auch öfter mal. Aber davon ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen. Er machte einfach immer weiter, ging den Bewegungsablauf noch mal ohne Skateboard durch und fing wieder von vorne an.
 
Das fand ich sehr beeindruckend: praktizierte Fehlerkultur vom Feinsten, von der wir für unseren Business Alltag mindestens 4 Dinge lernen können:

 

LEARNING 1:
WER EIN KLARES, ATTRAKTIVES ZIEL VOR AUGEN HAT KANN GAR NICHT ANDERS, ALS ES ERREICHEN WOLLEN!
 
Dieser Skater wollte diesen Trick beherrschen. Ich weiß nicht, warum – aber es war offensichtlich, dass er es wollte. Er wollte es so sehr, dass ihn auch die bestimmt teilweise schmerzhaften Stürze nicht davon abhalten konnten, weiter zu machen.
Er stand einfach immer wieder auf, schnappte sich sein Skateboard, ging den Bewegungsablauf noch mal durch und startete einen neuen Versuch. Er hatte ein sehr klares und attraktives Ziel vor Augen, das er unbedingt erreichen wollte. Und das gab ihm die Energie und die Ausdauer, diesen Trick immer wieder zu üben.
 
Schauen wir mal vom Skatepark in unseren Arbeitsalltag: Wie steht es denn um die Ziele in Ihrem Team? 
Sind diese klar und attraktiv? Haben Sie und Ihre Mitarbeiter ein einheitliches Bild im Kopf, worauf Sie gemeinsam hinarbeiten und warum sich das lohnt? Geben die Ziele Ihrem Team die Energie und Ausdauer, um auch in schwierigen Situationen und nach Rückschlägen an deren Erreichung dranzubleiben?
Ein klares, attraktives Ziel vor Augen ist ein wichtiger Meilenstein, um ins „Machen“ zu kommen. Und trotzdem passiert dann manchmal nichts oder nicht genug in einem Team. Denn dann kommen häufig Fragen und Zweifel auf: können wir das überhaupt? Ist das wirklich zu schaffen? Und was ist, wenn wir einen Fehler machen? 
Hier lohnt sich wieder ein Blick zu unserem Skater und dessen Einstellung:
 
LEARNING 2:
ICH BIN HIER, UM MICH ZU VERBESSERN – NICHT, UM DIE PERFEKTE SHOW ABZULIEFERN.
 
Wer mit seinem Skateboard zum Skatepark kommt, der möchte sicherlich auch ein paar Kumpels treffen, und ein bisschen zeigen, was er kann. Aber der Skateboarder, der mich an diesem Tag so fasziniert hat, hatte vor allem eines im Sinn: “Ich bin hier, um besser zu werden.“
Mit dieser Grundhaltung im Kopf hat er dann geübt. Mit einer Wahnsinns Ausdauer. Den gleichen Trick, immer und immer wieder. Er war ganz darauf fokussiert, den Bewegungsablauf zu optimieren und bei jedem Versuch ein kleines bisschen besser zu werden.
Ein missglückter Versuch oder ein Sturz haben ihn nicht entmutigt; er hat weder geflucht noch sein Brett wütend auf den Boden geworfen. Und er ist auch nicht enttäuscht mit einem „Ach – das schaff ich doch eh nie“ Blick von dannen gezogen.
Er war nicht zum Skatepark zu kommen, um den perfekten Trick abzuliefern – sondern um sich selbst zu übertreffen, um etwas Neues zu wagen und ein kleines bisschen besser zu werden.
 
Mit welcher Grundhaltung geht Ihr Team denn an neue Herausforderungen heran? Suchen Sie eher nach der perfekten Lösung? Oder freuen Sie sich schon über einen kleinen Fortschritt? Und was erntet mehr Anerkennung von KollegInnen und Vorgesetzten– der perfekte Trick oder der gescheiterte Versuch?
In unseren Breitengraden wird uns spätestens in der Schule vermittelt, dass wir Fehler möglichst  vermeiden sollten. Wir werden eher für den perfekten Trick gelobt, als für den vielleicht misslungenen, aber mutigen Versuch. Diese Haltung lässt sich leider nicht von heute auf morgen abstellen. Aber als Führungskräfte können wir dazu beitragen, dass in unserem Team die mutigen Versuche mehr Raum und Anerkennung bekommen. 
Auch dabei können wir wieder etwas vom Skatepark lernen:  
 
LEARNING 3:
WER NEUES WAGT BRAUCHT EIN SICHERES UMFELD
 
Im Skatepark wird es ganz offensichtlich: wer etwas Neues wagt, der fällt auch öfter mal auf die Schnauze. Im normalen Leben ist es uns oft peinlich, wenn uns etwas nicht gelingt. Wir fürchten die hämischen oder schadenfreudigen Reaktionen in unserem Umfeld und wollen uns keine Blöße geben.
 
Unter Skatern gibt es das nicht. Die beobachten sich durchaus gegenseitig kritisch. Aber da ist keiner, der schadenfreudig lacht, wenn einem ein Trick misslingt. Und niemandem scheint es peinlich zu sein, wenn ein Trick misslingt. Die Skater scheinen alle eins verinnerlicht zu haben: nur wer übt wird richtig gut. Und wer übt, der scheitert auch mal. Wer trotzdem so hartnäckig dranbleibt und weiter übt, der verdient Respekt für seinen Mut und seine Ausdauer.
 
Der Skater, den ich an dem Tag beobachtet habe, fühlte sich absolut wohl und sicher in seinem Umfeld. Er konnte sich ganz in Ruhe auf seine Übungen konzentrieren und musste sich keine Gedanken darüber machen, wie er wohl bei den anderen ankommt und was die vielleicht über ihn denken, wenn er nicht den perfekten Trick abliefert. Der Skatepark war sein sicheres Umfeld, sein „safe space“ in dem er unbeschwert Neues wagen und sich verbessern konnte.
 
Wenn Scheitern nicht peinlich ist, dann kann man viel mehr wagen. Und nur wer etwas wagt, kann sich entwickeln und gewinnen.
 
Wie steht es denn in Ihrem Team um diese „psychologische Sicherheit“? Wie schmerzhaft wäre es für Sie oder Ihre Mitarbeiter, vor dem gesamten Team eine Schwäche zuzugeben? Oder zu wissen, dass das gesamte Team zuschaut, wenn Ihnen gerade etwas misslingt?
 
So ein sicheres Umfeld entsteht nicht von heute auf morgen. Es erfordert Vertrauen, das erst wachsen muss. Aber wenn wir als Führungskräfte mit gutem Beispiel voran gehen und mit eigenen Schwächen und missglückten Versuchen offen umgehen, kann das den Prozess unheimlich beschleunigen.
Und noch etwas kann den Prozess unheimlich beschleunigen: die richtige Unterstützung. 
 
LEARNING 4:
MIT UNTERSTÜTZUNG LERNT SICH’S SCHNELLER
 
Im Skatepark kann man viel durch Beobachten und Ausprobieren lernen. Aber manchmal braucht man den einen entscheidenden Tipp, der alles so viel leichter macht und einen plötzlich auf ein ganz anderes Level bringt.
 
Ich finde es jedes Mal wieder toll anzuschauen, wenn im Skatepark die Großen die Kleinen unterstützen, die Erfahreneren den Anfängern Tipps geben, und die richtig Guten sich gegenseitig nach Feedback und Technik-Finessen fragen. Alles mit der einen Intention: stetig besser zu werden.
 
Im Business Alltag scheuen wir uns manchmal davor, Hilfe anzunehmen oder gar um Hilfe zu bitten. Denn wir glauben, dass das ein Zeichen von Schwäche ist. Und so machen wir oft einfach weiter wie bisher und kommen dabei aber nicht so richtig vom Fleck.
 
Wir scheuen uns auch gelegentlich davor, anderen Tipps zu geben. Entweder weil wir nicht als Besserwisser rüberkommen wollen. Oder weil wir vielleicht Sorge haben, dass die anderen dann ja genau so schlau sind wie wir und und uns das zum Nachteil werden könnte.
 
Dabei haben doch alle etwas davon, wenn das Niveau steigt – im Skatepark genauso wie im Business Alltag. Es macht mehr Spaß, wenn viele gute Skater im Skatepark unterwegs sind, von denen ich mich inspirieren lassen kann und mir wieder was Neues abschauen kann. Und auch erfolgreiche Teams zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Mitglieder gegenseitig immer wieder zum Lernen und damit auch zu immer neuen Ideen und Höchstleistungen inspirieren.
 
WIE VIEL SKATEPARK STECKT DENN IN IHREM TEAM?
Und wo sehen Sie den größten Hebel, um eine positivere Fehlerkultur zu etablieren? Ist es das klare, attraktive Ziel, für das man sich gerne ins Zeug legt? Oder die Grundeinstellung, mit der man in Ihrem Team an neue Herausforderungen herangeht? Ist es das Vertrauen und das sichere Umfeld, das auch Raum für Scheitern und Experimentieren bietet? Oder das gegenseitige Unterstützen, Feedback geben und um Unterstützung bitten?
 
 
 
 

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