WAS IST GUTES LEADERSHIP - und was hat das mit Kindern zu tun?

VON EVELYN WURSTER

Ein inspirierender Leader ist für mich jemand, dessen Worte haften bleiben, zum Denken anregen und noch lange nachwirken. Vor vielen Jahren hat mich der CEO meines damaligen Unternehmens nachhaltig inspiriert: bei einem Leadership-Seminar stellte ich ihm die Frage, welchen Rat er mir geben könnte, um ein guter Leader zu werden.
Seine Antwort überraschte mich:
„Treat them, like you would treat your kids“.
(Behandle sie so, wie Du Deine Kinder behandeln würdest).
Ich hatte damals noch keine Kinder und konnte mit diesem Ratschlag nur bedingt etwas anfangen. Aber dieser Satz begann in mir zu arbeiten und hat mich über die Jahre nie wieder losgelassen.
 
Leadership
Viele Jahre und 2 Söhne später ist mir dieses Zitat immer noch präsent und ich habe es in den letzten Jahren zahlreichen Mitarbeitern, Kollegen, Mentees und Kunden mit auf den Weg gegeben. Denn ich habe über die Jahre immer mehr Parallelen zwischen Leadership und Elternsein entdeckt, die diesen vermeintlich banalen Satz so wertvoll machen:
 
PARALLELE 1: ES GIBT NUR EINEN WEG – DEINEN WEG.
Es gibt unendlich viele Bücher über Leadership und mindestens genauso viele über Kindererziehung. Viele davon sind bestimmt auch gut und man kann sich Ideen und Inspiration holen.
Letztendlich muss aber jeder seinen ganz persönlichen Weg finden. Leadership geht nicht nach Lehrbuch, genauso wenig wie Kindererziehung. Es gibt nicht das Schema F mit Checkliste, die man abarbeiten kann und wenn man alles richtig macht, kommt am Ende ein tolles Ergebnis dabei raus.
Es gibt Grundprinzipien, an denen man sich orientieren kann. Aber letztlich muss jeder für sich den Stil finden, der den eigenen Werten und der Persönlichkeit entspricht und im jeweiligen Kontext funktioniert. Nur dann ist authentische Führung – von Kindern oder Mitarbeitern – möglich.
 
PARALLELE 2: OHNE KLARHEIT HERRSCHT VERWIRRUNG.
Wenn ich mir selbst darüber im Klaren bin, was ich will, wohin ich will und warum ich das will, dann kann ich auch anderen gegenüber mit Klarheit begegnen. Und die können sich daran orientieren.
Wenn klar ist, dass wir im Supermarkt keinen Lolli in der „Quengelzone“ kaufen, dann kann ein Kind das akzeptieren. Wenn klar ist, wie die „Medienzeit“ mit Handy & Co geregelt ist, dann können sich Teenager durchaus damit abfinden. Wenn klar ist, welches Ergebnis ich bis wann von meinen Mitarbeitern erwarte, dann können die sich darauf einstellen und entsprechend handeln.     
Ohne Klarheit kommt es zu Verwirrung, die recht häufig in Frust oder Konflikten endet: warum ist es heute nicht in Ordnung auf dem Handy zu daddeln, wo es gestern doch auch ging? Warum soll ich schon wieder den Tisch decken, wo es doch genauso gut meine Schwester machen könnte? Und warum meckert mein Chef, dass mein Vorschlag nicht seinen Erwartungen entspricht, wo er mir vorab doch nur ein sehr vages Briefing gegeben hat?  
Klarheit schmeckt Kindern und Mitarbeitern vielleicht nicht immer. Aber mit Klarheit umzugehen ist viel leichter als mit Verwirrung.
 
PARALLELE 3: KLARHEIT BRAUCHT KONSEQUENZ.
Die meisten Menschen testen gerne ihre Grenzen aus. Wir alle verstehen klare Ansagen – aber wenn diese nicht zu den eigenen Ideen passen, dann probieren wir gerne mal aus, wie ernst die Ansage wirklich gemeint ist. Und ob da vielleicht doch noch etwas Spielraum ist.
Gerade kleine Kinder beobachten gerne mal verschmitzt, ob denn eine Reaktion von den Erwachsenen kommt, wenn sie etwas „Unerlaubtes“ tun. Und wenn nicht, freuen sie sich diebisch über den neu gewonnenen Spielraum.
Im Business Kontext erfolgt so eine Spielraumerweiterung auch gerne mal passiv. Man macht halt so weiter wie bisher, weil es einfacher ist, als sich auf eine neue Prozedur oder eine neue Verhaltensweise einzulassen. Schließlich hat es bislang auch so gut funktioniert.
Oder man denkt schlicht und einfach nicht dran. Genauso wie Kinder oft nicht dran denken, dass die Jacke an den Kleiderhaken gehört und nicht irgendwo auf den Boden. Wenn die Erwachsenen die Jacke dann einfach selbst schnell wegräumen, weil es schneller geht und weniger anstrengend ist, als konsequent zu sein, dann wird die Jacke sicher auch in Zukunft wieder auf dem Boden landen.
Wann haben Sie denn zuletzt etwas „schnell“ selbst gemacht, anstatt Ihren Mitarbeitern Feedback zu geben und sie an die getroffenen Vereinbarungen zu erinnern?
Klarheit braucht Konsequenz, um wirksam zu sein. Vor allem wenn sich etwas Neues etablieren soll. Ohne Konsequenz wird auch die klarste Ansage verwässert und irgendwann einfach ignoriert oder vergessen.
 
PARALLELE 4: EIN VORBILD WIEGT MEHR ALS 1000 WORTE.
Manchmal verstehen wir als Führungskräfte nicht, warum sich in unserem Team Verhaltensweisen nicht verändern, obwohl wir es doch schon 100mal gesagt haben, immer wieder Feedback geben und unsere Mitarbeiter vielleicht sogar schon dafür auf Seminare geschickt haben.  
Und als Eltern verstehen wir manchmal nicht, warum unsere Kinder nicht tun, was wir ihnen schon 100mal erklärt haben.
Die Antwort ist in beiden Fällen recht einfach: wahrscheinlich, weil wir es ihnen nicht vorleben. Mal eben schnell bei Rot über die Fußgänger-Ampel flitzen, und gleichzeitig dem Kind einschärfen, dass es das alleine NIE machen darf. Für eine offene Feedbackkultur plädieren, und sich gleichzeitig für jedes Feedback, das man selbst bekommt direkt rechtfertigen. Erklären, dass Pünktlichkeit ein Zeichen von Respekt ist und gleichzeitig selbst immer wieder zu spät zu Meetings kommen, weil man noch ein wichtiges Telefonat führen musste.   
Wir unterschätzen oft, wie groß unsere Vorbildfunktion ist. Was wir tun und vorleben wiegt sehr viel stärker als das, was wir sagen. Wenn wir A sagen und B tun brauchen wir uns nicht wundern, wenn unsere Mitarbeiter es uns gleich tun.
 
PARALLELE 5: OHNE LIEBE GEHT ES NICHT.
Als Eltern erleben wir immer wieder Situationen, in denen uns unsere Kinder zur Weißglut treiben. Wir ärgern uns, sind genervt und ungeduldig und auch mal richtig sauer. Setzen wir deshalb unsere Kinder vor die Tür? Im Normalfall nicht. Wir verzeihen, sind geduldig und richten den Blick immer wieder wertschätzend auf das Gute. Denn wir lieben sie bedingungslos und wollen nur das Beste für sie, egal wie anstrengend es gerade ist.  
Im Arbeitskontext wirkt das Wort Liebe etwas fehl am Platz. Aber als Leader brauchen wir eine ähnlich wohlwollende Grundhaltung. Denn auch als Führungskräfte erleben wir oft Situationen, in denen unsere Mitarbeiter unsere Nerven gehörig strapazieren.
Ein wohlwollender Blick im Arbeitskontext heißt, dass wir an das Potential und die guten Absichten unserer Mitarbeiter glauben, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht sichtbar ist. Das heißt, dass wir geduldig sind, verzeihen können, Engagement wertschätzen, auch wenn das Ergebnis vielleicht noch nicht so ist wie wir es uns wünschen und neue Chance geben.
Wohlwollend und wertschätzend zu sein heißt aber nicht, immer nur nett zu sein. Es kann sich auch für beide Seiten durchaus mal unangenehm anfühlen. Nämlich dann, wenn wir konsequent sind und ehrliches, kritisches Feedback geben.    
 
Was macht für Sie gutes Leadership aus? Und für welche Leadership Qualitäten schätzt Ihr Team Sie ganz besonders?
 
 

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